IDEA Tschechien: Interview

IDEA Tschechien: Interview
Magazin der Christlichen Gemeinschaft (49-2012)


IDEA: Könnten Sie sich ein bisschen vorstellen, woher kommen Sie, was machen Sie?
Scheufler: Frauen interessieren sich für die Familie, Männer für die Arbeit. Verheiratet bin ich mit Sabine seit 31 Jahren. Wir haben fünf Kinder und inzwischen vier Enkelkinder. Beruflich bin ich als Evangelist und Musiker unterwegs. Auf Radio Erzgebirge wird seit 2005 viermal pro Woche mein Beitrag „Nachgedacht“ gesendet. Zuhause sind wir im sächsischen Waldenburg bei Zwickau.

IDEA TschechienIDEA: Wie haben Sie mit dem Dienst für Jesus angefangen, wie wurden Sie zu diesem Dienst gerufen?
Scheufler: Es begann mit der Bekehrung. Seitdem kann ich das Beste – also Jesus – nicht für mich behalten. Wer nämlich die besten Sachen anderen vorenthält, der diskriminiert die Menschen. Nach meiner Bekehrung habe ich gelernt, dass Gabe und Aufgabe zusammen gehören. Und so begann ich ehrenamtlich in der Jugendarbeit. Danach ging ich zum Studium und wurde 1985 als hauptberuflicher Jugenddiakon ins Erzgebirge geschickt.

IDEA: Wir haben Ihre schönen Lieder mit geistlichem Inhalt gehört. Wie sind sie entstanden? Schreiben Sie die Texte allein? Woher kommt die Inspiration?
Scheufler: Meine musikalische Prägung kommt hauptsächlich von Folk und Blues. Die Texte entstehen nach Erlebnissen im Alltag. So hatte ich mal ein Konzert bei einem Behindertentreffen und sah die Freunde in ihren Rollstühlen. Danach habe ich über diese Leute den Titel „Wahre Helden“ geschrieben. Sie sind für mich zum Vorbild geworden. Meistens schreibe ich erst den Text und dann kommt die Melodie dazu. Da ich nicht nach Noten spielen kann, arbeite ich mit Akkorden. Die Noten schreibt mein Sohn Daniel. Er ist Jazz-Pianist, hat Musik und auch Komposition studiert.

IDEA: Was meinen Sie von der geistlichen Situation in der Evangelischen Kirche im Deutschland? 
Scheufler: Wie viel Zeit haben wir dafür? Ich beschränke mich auf die Evangelisation. Die 22 Gliedkirchen der EKD beschäftigen nur drei Evangelisten. Ich war bisher mit einer 80%-Anstellung einer von ihnen. Einen weiteren Evangelisten hat Württemberg, den dritten kenne ich nicht. Diese Tatsache macht einiges über den geistlichen Zustand deutlich.

IDEA Tschechien Interview ScheuflerIDEA: Warum wurden Sie in Ihrem Dienst suspendiert und letztlich auch entlassen? Aus welchem Grund? Wie haben das Ihre Familie bzw. auch Freunde mit erlebt?
Scheufler: Seit 1985 bin ich im Dienst der sächsischen Landeskirche. Erstmalig musste ich 2012 erleben, dass von der Kirchenleitung eine Entscheidung getroffen wurde, die sich mit dem Zeugnis der Bibel nicht vereinbaren lässt. Es geht um die Möglichkeit, dass homosexuelle Pfarrer mit ihrem Partner im Pfarrhaus wohnen. Was die Bibel als Sünde bezeichnet, wird zugelassen und in Ordnungen gegossen. Daraufhin haben wir vom Evangelisationsteam eine Stellungnahme veröffentlicht. Sie enthält unter anderem, dass wir Bischof und Kirchenleitung nicht mehr als geistliche Leitung anerkennen. Die juristische Leitung der Institution Kirche ist davon nicht betroffen. Auf diese geistliche Äußerung wurde seitens der Landeskirche jedoch juristisch reagiert. Erst wurde ich am 13. Juni vom Dienst suspendiert und im September dann gekündigt. Ich sollte einlenken. Das habe ich nicht gemacht. Als Evangelist muss ich der Bibel und den Bekenntnisschriften gehorsam sein, auch wenn ein Bischof etwas anderes sagt. Es geht bei dieser Auseinandersetzung eigentlich nicht um die praktizierte Homosexualität, sondern um die Heilige Schrift. Für uns als Familie war das eine spannende Zeit. Wir vertrauen, dass Jesus uns versorgt. Ich bekam manchmal im Minutentakt ermutigende Emails aus ganz Deutschland. Unterstützung erhielt ich auch aus Tschechien und Namibia.

IDEA: Wie schätzen Sie das Risiko der “Ansteckungsgefahr“ dieser Verführung für die anderen Kirchen in Europa (z.B. für die Kirche in Tschechien).
Scheufler: Das Virus heißt „Historisch-kritische Methode“. Bei der Bibelauslegung ist aber die „Historisch-biblische Methode“ nötig. Nicht dem Bibeltext misstrauisch begegnen, sondern ihm vertrauen. Die Bibel wird durch die Bibel ausgelegt. Ich sehe aber nicht nur die Gefahr der Ansteckung. Ich befürchte, dass die reichen West-Kirchen mit ihrem Geld ärmere Kirchen – zum Beispiel in Afrika – unter Druck setzen, erpressen. Wer bestimmte „Standards“ nicht einhält, bekommt dann keine Unterstützung mehr.

IDEA: Wo liegen die Grenzen, die man als Christ akzeptieren kann? Wann soll (muss) man die Stimme erheben?
Scheufler: Das ist eine schwierige Gratwanderung. Es ist ein Weg zwischen Erdulden und Aufstand. Beides ist in der Bibel zu finden. Es bleibt eine Gewissensentscheidung. Maßstab ist die Bibel.

IDEA: Kann man noch heute von der religiösen Freiheit reden? Was meinen Sie von der Verfolgung der Christen?
Scheufler: Wir haben heute weltweiten die größte Christenverfolgung in der Kirchengeschichte. Von den verfolgten Christen können wir lernen: Leid gehört zum Christsein dazu! Das hören wir im Westen nicht so gerne.

IDEA: Ihr Rat für die Christen in der heutigen Situation:
Scheufler: Wir brauchen verstärkt die Gabe der Geisterunterscheidung. Diese Gabe wird durch Bibellesen geprägt. Also die Bibel lesen, das Gelesene anwenden und mit Jesus leben.

© IDEA Tschechien

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