Zeltevangelisation auf der Alb

Winterlingen – In einem prall gefüllten Zelt und in sommerlich-festlicher Stimmung sind an einem sonnigen Abend in Winterlingen die „Ökumenischen Begegnungstage unter dem Zeltdach“ zu Ende gegangen.
Zeltevangelisation auf der AlbNoch einmal zieht es mehrere hundert Menschen in das Zelt gegenüber dem Winterlinger Freibad. Sie erleben eine lockere Atmosphäre und viel Musik zum Ausklang. Conny Hensel von der evangelischen Kirchengemeinde Winterlingen überreicht Evangelist Lutz Scheufler einen Geschenkkorb mit schwäbischen Spezialitäten und verweist in ihrer Begrüßung auf die Gruppen und Kreise der Kirchengemeinden, in denen es für Interessierte weitergehe, „auch wenn das Zelt wieder weg ist“.
Im Vorprogramm wird für die Zuschauer das Märchen vom König und dem Narren inszeniert. Alle Menschen seien Geschöpfe Gottes, verkündet Prediger Scheufler aus Waldenburg in Sachsen. Doch erst, wenn sie Gott in ihr Leben hinein ließen, würden sie zu „Kindern Gottes“. „Licht, Luft, Wasser und Wärme braucht der Mensch. Er wächst blüht und gedeiht aber nur durch die Liebe“, singt der Evangelist – und der Musiker Scheufler schafft es dabei, gleichzeitig Gitarre und Mundharmonika zu spielen und hin und wieder zwischen den Liedern einen Witz und eindrückliche Worte einzustreuen. Zum Thema des Abends „Gott will alle, trotz Reisen ohne Ziel“ merkt Scheufler an, dass ihn der Spruch „Der Weg ist das Ziel“ nicht überzeugt. Es müsse einen Halt- und Orientierungspunkt geben, der über die alltäglichen Belanglosigkeiten hinausgehe. Sonst laufe der Mensch Gefahr, nur „zu suchen und nichts zu finden“.
„Bibellesen macht klug und ist wichtig für das Verständnis vieler literarischer Texte.“ Die Heilige Schrift, so Scheufler, zeige sämtliche Lebensvoraussetzungen auf. „Wir haben ein Leben lange an der Heiligen Schrift zu lernen“, sagt der Prediger.
Nikolaus Ostrowitzki, Pfarrer der katholischen Seelsorgeeinheit Straßberg, und Pfarrer Ernst Nestele von der evangelischen Kirchengemeinde Winterlingen zeigen sich beeindruckt von den Worten Scheuflers und der Resonanz aus der Veranstaltung. Während Nestele seine Dankbarkeit „gar nicht in Worten fassen“ kann, stellt Ostrowitzki fest, Scheufler habe das Herz der Zuschauer angesprochen. Ihn freue es besonders, dass sehr viele Jugendliche und junge Erwachsene anwesend seien.
„Hätten sich Leo X. und Martin Luther genauso gut verstanden wie wir, dann hätte es kein abendländisches Schisma gegeben“, zieht Ernst Nestele ein Fazit aus den Begegnungstagen, bei denen katholische und evangelische Christen zueinander gefunden haben. Die Veranstaltung habe neue Grundlagen für eine gute Zusammenarbeit der beiden Kirchen vor Ort im Rahmen der Ökumene gelegt, meint der Moderator der Begegnungstage, Manfred Maag aus Winterlingen.
„Es war super und die Band war top“, resümiert eine junge Erwachsene. Die 16-jährige Annika Rudischhauser findet es großartig, dass die gepredigte Botschaft alle Generationen anspreche, und Biselli Luitgard aus Harthausen spricht von Worten „mit Hand und Fuß“, die ankamen. David Kissling (22) nennt es „schön, dass sich evangelische und katholische Kirche gemeinsam für die zentrale Botschaft des christlichen Glaubens engagieren“. „Dass der Prediger heute selbst gesungen hat“, gefällt Hanna Burkhardt (13), und: „Das könnte man öfter machen“, schlägt Wolf-Christian Schneider aus Winterlingen vor.
© Schwarzwälder-Bote

Schreibe einen Kommentar